Das Ökumenische Zentrum Helfe

Am ersten Advent 2006 kann es auf eine 30jährige Geschichte zurückblicken. Aber bevor wir auf die Gegenwart und Zukunft blicken, ein knapper Blick in die jüngere Geschichte.
- Nachdem die ersten Häuser der Gartenvorstadt Helfe 1965 bezogen waren, fehlte es am Nötigsten: Weder ein Versammlungsraum für die Bürger und Bürgerinnen war vorhanden, noch waren die alltäglichen Fragen (z.B. Schulbusfahrt der Kinder, Heizkostenpreise) geregelt. Dies änderte sich erst, als die Evangelische Kirche am ersten Advent 1966 eine Notkirche aufbaute, die auch von der katholischen Gemeinde
mitgenutzt wurde. Die Baracke wurde - neben den Gottesdiensten auch für Bürgerversammlungen und ähnliches genutzt. So entstanden in dem neuen Gemeinwesen Kontakte über die Konfessionsgrenzen hinweg.
Während die Gemeinsamkeiten im Glauben bedeutsamer wurden, verloren trennende Elemente in dem Bemühen, den neuen Statdtteil bewohnbarer zu machen, an Bedeutung.
Und so entstand schließlich der Wunsch, diese gute Gemeinsamkeit künftig auch in einem neu zu errichtenden Gemeindezentrum gemeinsam zu pflegen. Das Provisorium der Notkirche sollte durch ein Ökumenisches Zentrum ersetzt werden. Nach vielen Gesprächen mit den Kirchenbehörden in Paderborn und Bielefeld wurde schließlich einer Lösung unter einem Dach mit zwei Gottesdiensträumen zugestimmt. Am ersten Advent 1976 wurde das evangelische und katholische Gemeindezentrum eingeweiht.
Im Grundlagenvertrag, der das Zusammenleben beider Partner regelt, heißt es: „Dieses Zentrum gemeinsam zu bauen, wurde von den evang. und kath. Christen in der neuen Gartenvorstadt Hagen-Helfe gewünscht.” Seit fast 30 Jahren wird dieser Wunsch durch die gemeinsame Feier von Gottesdiensten, die Treffen in Gruppen das gesellige Zusammensein im und um das Haus und das gemeinsame Bewirtschaften in die Wirklichkeit umgesetzt.
- Gegenwärtig
Die Situation in den beiden Gemeinden ist in den vergangenen fünf Jahren weiterhin durch personellen Wechsel und durch die sich verändernden Rahmenbedingungen geprägt. Während in der Jakobus-Kirchengemeinde Pfarrerin B. Göbel und Pfarrer i.E. Joh. - Chr. Grote seit Oktober 1994 bzw. April 1995 ihren Dienst versehen, erfolgten in der St. Andreas Kirchen- gemeinde eine Reihe von Wechseln. Nacheinander waren M. Wacker, B. Brackhane, R. Rasche und Frank Schäffer für den zur Gemeinde St. Johannis-Baptist Boele gehörenden Seelsorgebezirk Helfe verantwortlich. Derzeit lebt und arbeitet Jürgen Wiesner als Vikar in der katholischen Gemeinde.
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen bzw. gravierenden Nachwuchs- mangels auf katholischer Seite ist es dringend erforderlich, die Mitarbeiterzahl mittelfristig zu reduzieren, die Arbeit in den Gemeinden zu verändern und durch Schwerpunktsetzung zu profilieren. Nicht alles, was wünschenswert ist, kann künftig durch haupt- oder nebenamtliche Kräfte getan werden.
In der gegenwärtigen Situation wird es somit darauf ankommen, die notwendigen Veränderungen in den Gemeinden zu besprechen und mit den Nachbargemeinden aus der Region Nord (Stadtteile: Boele, Boelerheide, Eckesey, Helfe, Kabel) abzustimmen. Die Reformvorlage der Evangelischen Kirche von Westfalen Kirche mit Zukunft will bei der Zielorientierung in diesem Prozess helfen (vgl. www.ekvw.de ). Sie hat dabei auch die evangelischen Kirchenkreise und die weiteren Dienste (z.B. Diakonisches Werk, Funktionale Dienste wie Jugendpfarramt u. Beratungsstellen) im Blick. Vergleichbare Umstrukturierungen finden auch auf Bistums- und Dekanatsebene statt. Die Bildung von größeren Einheiten (Pfarrverbünden) stellt auch die katholischen Gemeinden vor große Herausforderungen.
Die gegenwärtige ökumenische Lage vor Ort wird bestimmt vom Engagement Einzelner und Gruppen: Hingewiesen sei auf den Ökumenischen Abendkreis der Frauen und die Gruppe Raus aus dem Grau. Monatlich treffen sich Männer und Frauen in der zuletzt genannten Gruppe, um Abende thematisch zu gestalten und gemeinsame Unternehmungen zu planen und durchzuführen.
Die Aufbruchstimmung in Gesellschaft und Kirche ab 1965 (II. Vaticanum 1962 - 1965) hat im Raum der Evangelischen Kirche von Westfalen zur Gründung von zwei ökumenischen Zentren geführt. Neben dem Zentrum in Helfe ist hinzuweisen auf das Zentrum in Meschede. Auch dort konnte man im Jahr 2001 auf ein Vierteljahrhundert zurückblicken und hat sich die Frage gestellt, welche Bedeutung der ökumenische Gedanke in der Gesellschaft und in den Gemeinden hat und künftig haben kann.
Von zentraler Bedeutung wird es dabei sein, wie es angesichts des Traditionsabbruches in Familie und Gesellschaft gelingen kann, jüngere Menschen zum Glauben an den dreieinigen Gott zu ermutigen.
Der 1. Ökumenische Kirchentag in Berlin vom 28. Mai- 1.Juni 2003 hat gezeigt, dass die Christen an der Basis ein großes Interesse an Ökumenischen Aktivitäten haben. Christen aus der St. Andreas und der Jakobusgemeinde haben das Zentrum auf einem Stand drei Tage lang vorgestellt und viele ermutigende Begegnungen erlebt.
Johann Christian Grote